Die Familienwohnung als Gefängnis
Shownotes
42 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer gaben in einer Befragung an, Gewalt in der Partnerschaft erlebt zu haben. Die Sotomo-Studie aus dem Jahr 2021 zeigt: Häusliche Gewalt ist in der Schweiz kein Randphänomen. Hinter der Statistik stehen unzählige Einzelschicksale. Und die Fallzahlen steigen jährlich an.
Längst nicht alle Missbräuche landen vor Gericht. Expertinnen gehen von einer beträchtlichen Dunkelziffer aus, also von zahlreichen Fällen, die nicht zur Anzeige gebracht werden. Einer jungen Frau gelingt es nach Jahren, der Gewalt zu entkommen und den Ehemann vor Gericht zu bringen. Es ist ein Schritt, der von ihr viel Mut abverlangte.
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Weiterführende Links
- Republik (2021): Die Magd der Familie
- Republik (2025): «Man hat aus mir ein Produkt geschaffen, das der Albtraum jedes Justizvollzugs ist»
Produktion: Basil Koller Hosts: Brigitte Hürlimann & Boas Ruh
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00:00:00: Wir reden heute über häusliche Gewalt.
00:00:02: Ein Schwersthemen, ein Dunkelthema und leider gar nicht so selten wie wir vielleicht meinen.
00:00:09: Ja ich habe noch einmal die Statistiken geguckt.
00:00:12: Die sind ja weniger aussagekräftig aber es ist doch erschütternd wie klar Tendenz ist nur schon bei der Polizistenstatistik das heisst das sind die Fälle die zur Anzeige gebracht werden.
00:00:24: All die, die nicht angezeigt werden, haben wir hier nicht.
00:00:27: Es sagt noch nichts darüber aus, ob es tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren ist.
00:00:32: Aber auch diese Anzahl nimmt jährlich zu und sie hat ... ... in den Jahren im Jahr ... ... das über eine Zwanzigtausend Anzeigen waren, die häusliche Gewalt betroffen haben.
00:00:45: Und was ich auch eine sehr erschreckende Zahl finde, dass heisst heute ... gut vierzehn Prozent aller Delikte, die Leib und Leben betreffen im Rahmen von häuslicher Gewalt stattfinden?
00:00:59: Das sind Tiere, die zur Anzeige gebracht werden.
00:01:02: Es gibt dann auch noch so diese Dunkelfeldstudie, wo man Leute befragt.
00:01:06: Also jetzt unabhängig der Anzeigen – und dort habe ich zwei gefunden – in einer Statistik steht das Zweizwanzig Prozent vor allen Personen in der Schweiz schon einmal eine Form von häuserlicher Gewalte erlebt haben, also auch ... psychische oder soziale Gewalt.
00:01:23: Und den anderen hat es noch aufgeschlüsselt, noch schlecht.
00:01:26: Das sind ca.
00:01:27: von den Männern, die gesagt haben, dass sie schon mindestens einmal erlebt werden.
00:01:31: Und es gibt ca.
00:01:31: zu forty Prozent aller Frauen.
00:01:33: Was vielleicht noch wichtig ist hier zu ergänzen, häusliche Gewalt ist kein Tatbestand.
00:01:38: Du wirst nicht anzeigen oder bestracht wegen häuslicher Gewalt, sondern es kann eigentlich ein Sammelbegriff viel passieren und unter diesem Begriff kann bis zur Tötung gehen – das kann Mord sein!
00:01:51: Das kann eine Tätlichkeit sein, das kann eine Drohung sein.
00:01:54: Eine Nötigung ist unglaublich breit und spektrum.
00:01:58: Und die Strafenfolge in Rediten von häuslichen Gewalt, wenn es sich im sozialen Nahbereich ereignet.
00:02:08: Der Heim innerhalb einer Partnerschaft oder auch innerhalb einer ehemaligen Partnerschaft.
00:02:14: Das ist so ein Sammelbegriff, häusliche Gewalt.
00:02:17: Es ist noch relativ ein junges Sammel Begriff.
00:02:19: Also es ist noch nicht so lange her, wo man überhaupt das als gesellschaftliches Problem anerkennt hat.
00:02:25: Das hat mich schon
00:02:26: erstaunt.
00:02:27: Ganz ehrlich gesagt, man hat das sehr lange und das ist noch nie so lange zu haben.
00:02:31: Überhaupt nicht ernst genommen!
00:02:33: die Auffassung bestanden, was in den eigenen Wänden passiert.
00:02:37: Das ist privatsach, das ist nicht schlimm.
00:02:39: Da hat sich sicher keine Staatsanwaltschaft reinzumischen.
00:02:43: Das war eine lange Idee sogar bei der Vergewaltigung.
00:02:46: Die Vergewaltung in der Ehe war schon lange gar nicht strafbar.
00:02:50: Es war eine unsägliche Debatte bis man so wie kam und merkte auch ... Ein Ehemann darf der Ehefrau nicht alles antun.
00:02:58: Eigentlich sind wir im Rahmen der häuslichen Gewalt, reden wir wieder um ähnliche Themen.
00:03:05: Jedes Delikt, jede gewalt, psychische oder physische ist nicht erlaubt – auch wenn es um zwei Menschen geht, die sich näher stehen und sich nachgestanden sind.
00:03:16: Heute treten wir mehr darüber.
00:03:17: Das ist wichtig!
00:03:18: Und das machen wir jetzt in dieser Podcastfolge.
00:03:31: Willkommen bei der dritten Gewalt einem Justizpodcast von der Republik.
00:03:35: Ich bin Boas Ruh und bei mir ist wie immer die Gerichtsreporterin Brigitte Zürlimen.
00:03:40: Am November-Tag treffen vor dem Bezirksgericht Sorge, am linken Zürichsee, zwei Menschen aufeinander.
00:03:47: Wobei?
00:03:47: eigentlich stimmt das ja schon nicht, weil sie begegnet sich an diesem Tag nie direkt.
00:03:52: Beide sagen aber von Gerichte aus.
00:03:54: Sie sind nie gleichzeitig im Raum.
00:03:56: Du bist dabei, Brigitte.
00:03:58: Und was geht es in diesem Fall?
00:04:00: Leider, wenn man es schade hat um häusliche Gewalt.
00:04:04: Aber ich finde eine sehr spezielle Form auch etwas erschützende.
00:04:11: Es geht um ein junges Paar, der aus Liebe gehörten hat.
00:04:16: Sehr jung, die hat mit neunzehnten gehörte und sind wirklich verliebt und glücklich in die Ehe gestiegen.
00:04:22: Am Schluss stehen sie vor Gericht.
00:04:25: Und Frau sagt diese junge Ehefrau, sechs Jahre lang von ihrem Ehemann und der Familienmitgliede des Ehemans, eigentlich wie eine Macht gehalten wurde.
00:04:38: Und dass sie die Wohnung ohne Begleitung eines männlichen Familienmitleids nicht verlassen durfte.
00:04:44: Das ist auch der Hauptvorwurf, den das Gericht prüfen musste, Freiheitsberaubung.
00:04:51: Sie sagt, diese hat sechs Jahre gedauert.
00:04:54: Über das Reden wir dann noch ausführlicher.
00:04:57: Zuerst schon mal diese zwei Menschen, die Frauen, die man beschreiben
00:05:02: kann.
00:05:02: Es ist wie so oft, wenn es mit Gewalten liegt und Strafdätern innen zu tun hat ... Wenn man sieht, dass die Protagonisten ganz normale Unaufwählungen sind – nicht selten sogar sympathische junge Menschen.
00:05:17: Das trifft auf beide zu oder auch auf den jungen Mann zu, der ich von Gericht getroffen habe.
00:05:24: Ich habe ihn so angeschaut, er hat ein schwarzes Kapuzenschirrtreit und jeans.
00:05:29: Und ich dachte, er könnte ein IT-Nerd sein.
00:05:32: Dann können wir bei uns in der Republik in der Tech-Abteilung arbeiten.
00:05:35: Also sehr unauffällig ...
00:05:38: Was heisst sie jung?
00:05:40: Als eine Chirate war er neunzehn Jahre alt.
00:05:43: Als wir uns von Gericht getroffen haben, sind es fast zehn Jahre vergangen.
00:05:48: Er war dann Ende zwanzig.
00:05:51: Ich finde immer noch einen jungen Mann.
00:05:53: Seine Frau, damals schon Ex-Frau, sie haben sich einen Scheiden lassen, ist genau gleichhaltig.
00:05:59: Sie haben beide mit den Neunzehnten geraten und wie du das schon gesagt hast, die haben sich zwar nie begegnet aber haben beide am Prozess teilgenommen.
00:06:10: Wenn der Mann im Saal war und Aussagen gemacht hat, ist seine Ex- Frau Privatkleiderin in diesem Strafverfahren in einem anderen Raum gewesen und hat mit Videoübertragung verfolgt, was im Saal passiert.
00:06:26: Wo sie in den Saal gerufen wurde und ihre Aussage gemacht hat, hat der Mann den Raum verlassen und die Video weiters geschehen können mitbefolgt.
00:06:36: Das hat sie, das hat diese junge Frau verlangt und das hat ihr ein Gericht auch zugebildet.
00:06:41: Es hat man klar gesagt ... Das ist ihr nicht zuzumuten, dass sie ihren Peiniger nochmals begegnen muss.
00:06:48: In diesen Gericht zählen Sie sich sehr eng aufeinander.
00:06:52: Dann kann man sich wirklich nicht aus dem Weg gehen.
00:06:54: Sind die Verkriechte über ihre Beziehung erzählt?
00:06:57: Du hast gesagt, es sind sehr junge Raten mit neunzehn Jahren.
00:07:00: Wollen Sie sich kennenlernen?
00:07:01: Der Mann ist Schweizer und ist in Horge aufgewachsen ... Er ist aber kosovoarischer Abstammung.
00:07:08: Und er hat seine damalige Ehefrau tatsächlich im Kosovo kennengelernt.
00:07:14: Sie kam in die Schweiz mit neunzehn Jahren hierher, wo sie die Sprache nicht versteht und kein Mensch gekämpft hat.
00:07:24: Und sie haben nach der Ehe-Schlüsse auch nicht eine eigene Wohnung bezogen, sondern haben bei den Älteren vom Ehemar gelebt.
00:07:32: In diesem Haushalt hatte es noch zwei Schwestern des Ehemars.
00:07:38: Die waren alle Berufstätig, also die Schwester, der Ehemarr und die Ältern des Ehems.
00:07:44: Nur die neue junge Frau ... Also die Schwiegertochter oder die Ehefrau des Mannes?
00:07:51: Die mussten nicht arbeiten, sie mussten zu Hause bleiben.
00:07:54: Sie konnten die Sprache nicht kennen und von ihrer Familie verlangt, dass sie zu Hause bleibt und ja öfter für die Familien sorgt, Haushaltsarbeiten macht, zweimal pro Tag kocht ...
00:08:06: Für die ganz grosse Familie ist es ein recht grosser Haushalt, wo alle unter einem dach leben?
00:08:11: Für
00:08:11: die sehr grosse Familie.
00:08:12: Das fand ich erschütternd.
00:08:14: Und die Anwältin der ... Die junge Ehefrau hat in den Gerichtshallag gesagt, sie sei eigentlich wie eine Magd der Familie gehalten worden.
00:08:23: Und mich hat es darum so erschüttert, weil sie auch noch drei weitere weibliche Familienangehörige hatten.
00:08:31: Die junge Frau sagte immer, dass Frauen Männer sie eingeschränkt haben und Männer ihre Auflagen gemacht haben.
00:08:39: Dass sie nicht alleine auf die Wohnung verlassen, dass sie auf der Strasse die Augen senken muss, wenn ihr ein Mann begegnet ... Der Schweigervater besuchte ihr auch verboten einen Deutschkurs.
00:08:52: Aber Frauen, die weiblichen Familienmitglieder haben das offenbar mitgetragen.
00:08:56: Es wurde nicht detailliert am Gericht ausgeführt.
00:09:00: Aber es war klar, dass sich offenbar niemand von den weibischen Familienmitgleiden für die junge Frau aus dem Kosovo eingesetzt hat, der hier völlig einsam und verloren in dieser Wohnung ist und wirklich ausgenutzt worden ist.
00:09:16: Hat sie erzählt, wie das für sie war?
00:09:18: Dass ein Junge in die Schweiz kann und sich nicht auskennt.
00:09:25: Sie hat sehr eindrückliche Aussage gemacht, hat es sehr bewundert.
00:09:29: Man merkt, dass sie gewillt ist darüber zu reden.
00:09:33: Sie ist bei ihren Aussagen immer wieder auch in Tränen ausgebrochen.
00:09:37: Ich musste nassern, schnitzen.
00:09:38: Er hat sich dann entschuldigt vor dem Gericht, dass er Emotionen zeigt.
00:09:44: Sie erzählte zwölf.
00:09:45: Sie wollte reden und überwinden, was passiert ist.
00:09:49: Sie sagte im ersten Jahr sei es noch nicht so schlimm gewesen.
00:09:53: Die Hex war eigentlich noch gut ausgehalten, sie liebte sich so verliebt.
00:09:56: Und die Ehe hat auch gut funktioniert.
00:09:59: Sie hatte sehr gut mit ihrem Ehemal.
00:10:02: Nach dem ersten Jahr wurde es dann massiv schlechter.
00:10:05: Hattest du den Wendepunkt?
00:10:07: Ich glaube, der Wendepunkt war, was sie zuerst gesagt hat.
00:10:11: Sie möchte gerne einen Deutschkurs absolvieren und sie möchte ja gern mit den anderen Familienmitgliedern draussen arbeiten können – also die Wohnung verlassen, rausgehen in das Leben treten und draussen.
00:10:23: Das hat man verboten und von dann an sind wir auflagen, dass sie härter und strenger geworden wurde.
00:10:30: Und sie sagte dann auch, es hätte sich als Verhältnis zum Ehemal geändert.
00:10:34: Er wurde immer brutal, hat sie regelmässig geschlagen.
00:10:39: Und was besonders perfid ist, hat im Schlafzimmer drei Messer aufs Nachtisch geleitet und wenn er nicht zufrieden war mit ihr, hat er immer mit den Messern droht.
00:10:50: Ein Detail blieb man besonders.
00:10:52: Sie schilderte einen Verkricht, dass er ihre Verbote hat, die Messer in einem Schrank zu versorgen.
00:10:59: Die mussten immer sichtbar im Schlaftzimmer liegen.
00:11:05: Ernsthaft bedroht gefühlt.
00:11:07: Die Wohnungsteuer war nicht abgeschlossen.
00:11:10: Das hat man eher im Strafverfahren vorgekallt, dass sie jederzeit gehen können.
00:11:14: Aber sie sagte, sie sei dort eingeschüchtert gewesen und sich allein isoliert.
00:11:21: Sie haben es einfach nicht gewagt.
00:11:23: Sie hat jahrelang nicht gewagert ... auflagen zu widersetzen.
00:11:29: Und sie konnte weiterhin eine Gespräch oder hat das in dieser Zeit nicht gelernt, wo sie quasi eingesperrt war?
00:11:37: Ich habe den Eindruck, dass es ein gezieltes Instrument war von der ganzen Familie, also vom Ehemal, sicher vom Schwiegervater aber auch von allen anderen Familienmitgliedern.
00:11:47: Dass man sich so wie kann gefügig halten, mehr gewusst eben ... Sie ist völlig aufgeschmissen, wenn sie die Sprachung haben.
00:11:55: Sie soll ja nicht alleine in der Wohnung verlassen dürfen.
00:11:58: Das Einzige, was man mit ihrer Zeit erlaubt hat, war, dass sie am Abend mit der Schwegermurder eineinhalb Stunden auswärts spüren können.
00:12:08: Aber auch das war erst möglich, nachdem sie den ganzen Familien ein Nachtessenaufentisch gestellt hat und natürlich nur im Begleitung mit der Schwegemurt.
00:12:18: Das war der einzige Anlass, in dem sie regelmässig die Wohnung verlassen konnte.
00:12:24: Vielleicht noch ein Detail, das auch noch wichtig ist ... Sie ist ab und zu zum Zahnarzt oder zum Gynäkologen.
00:12:32: Auch hier hat sie vor Gericht geschildert, dass immer Ehemann mitgekommen ist bei jedem Arztbesuch.
00:12:38: Und dass immer ehemalige Fragen von den Ärzten geantwortet haben.
00:12:43: Sie dürfen nicht einmal selbstständiges Gespräch mit diesen Ärzte führen.
00:12:48: Ein paar Details aus dem Leben, eigentlich aus dem Martyrium, das sie sechs Jahre lang in ihrer Wohnung erlebt hat.
00:12:57: Irgendwann ist ihr aber gleich gelungen aus diesem Ausbrechen?
00:13:02: Wie hat sie das gemacht?
00:13:03: Irgendwo hat sie die Wohnungsdürre aufgemacht und in ein Frauenhaus geflüchtet.
00:13:11: Sie hat nicht ... geschildert, was der Auslöser war und den Moment, dass sie diesen Schritt endlich geschafft hat.
00:13:20: Sie sagte deutlich, dass es im Nachhinein nicht versteht, warum sie diesen Schritt nicht früher geschafft hatte.
00:13:27: Sie schilderte aber ihre Ängste, ihre Todesangst.
00:13:31: Auch die Angst einfach verloren zu sein, wenn sie sich aus diesem Familienklähen wegbewegt.
00:13:38: Und sie sagt aber auch deutlich ... im Nachhinein nicht mehr erklären kann, warum sie so lange geblieben ist.
00:13:46: Und dass sie jetzt noch Albträume hat, wenn Sie an die Wohnung denken.
00:13:49: Das finde ich typisch für Opfer in dieser Situation.
00:13:53: Dass man sich immer wieder fragt, bin ich schuld?
00:13:56: Habe ich etwas falsch gemacht?
00:13:58: Hätte ich nichts anderes zu reagieren?
00:14:00: Es tut einem wahnsinnig leid, wenn man das gehört.
00:14:03: Jetzt steht sie da und es hat gearbeitet.
00:14:05: Sie ist stark.
00:14:06: Sie will aufarbeiten Aber sie hat jetzt sechs Jahre von ihrem Leben verloren und das ist ihr absolut bewusst.
00:14:13: Was sagt ihren Ex-Mann zu dieser ganzen Geschichte?
00:14:17: Er erklärt ja das alles!
00:14:19: Also leider hat er nicht sehr viel gesagt im Gerichtssaal... offenbar auch schon während der Untersuchung nicht.
00:14:25: Das ist sein guter Recht, er ist eine beschuldigte Person.
00:14:29: Er darf vom Aussagenverweigerungsrecht Gebrauch machen.
00:14:33: Es ging jetzt nicht gerade unbedingt zu seinen Gunsten ausgefallen würde ich sagen.
00:14:37: Er hat gewisse Fragen beantwortet sehr kurz aber er hat im Wesentlichen vor dem Beziehungsgericht gesagt das stimmt mir alles nicht was seine Ex-Frau sagt es stimmt mir nicht was in der Anklageschrift steht.
00:14:51: Ich habe in der Ehe ein bisschen Streit gegeben, aber so im absolut normalen Rahmen.
00:14:57: Und er kann sich nicht vorstellen, warum die Frau ihn derart belastet.
00:15:03: Er sagt auch klar, es sei doch normal, dass man als Jungs Ehepaar bei den Eltern und Familie lebt.
00:15:10: Er ist der einzige Sohn dieser Familie und das sei seine Pflicht.
00:15:15: zu den Eltern zu schauen.
00:15:17: Darum ist alles normal und gut gelaufen, er verlangt ein freies Spruch und findet, dass es quasi erst dunkel und erloggen ist, was sie erzählt hat.
00:15:28: Er hat natürlich auch das wenige betont, der gesagt hat, die Dürren waren doch offen.
00:15:33: Sie konnten rausgehen.
00:15:34: Sie hatte sogar ein Handy.
00:15:36: Sie hat täglich mit ihrem Muttertelefoniert.
00:15:39: Das macht keinen Sinn, was diese Frau erzählt.
00:15:43: Bei vielem steht einmal mehr Aussage gegen Aussage.
00:15:47: Gibt es irgendwelche Beweise, die man beiziehen konnte?
00:15:51: Es gibt zum Glück in diesem Fall einiges an Beweismittel unter anderem die Chat-Nachrichten, was sie auch das Ehepaar sich austauscht hat per Chat und dann gab es eine ganze ungewöhnliche Videoaufnahme, die zum Glück im Gerichtssaal abgespielt wurde.
00:16:10: Und was
00:16:11: gerade steht
00:16:12: da?
00:16:12: Das ist eine ganz kuriosische Geschichte.
00:16:14: Wenn man das hört, dass im ganzen Strafverfahren, der ja wirklich belastend und schwierig ist, so nach einem kleinen Detail, wo gar nicht eine grosse Rolle spielen kann ... Aber wenn man es dort sieht, dann unterstreicht einfach alles andere, was auch noch passiert ist.
00:16:31: Auf diesem Video sieht man wie die junge Frau am Morgen früh ... ihrer Mann muss anziehen im Schlafzimmer.
00:16:39: Und das hat sie während des Strafverfahres auch immer geschildert, dass es für sie so demütig war und aber ein Zeichen dafür, wie sie von ihrem Mann behandelt wird – sicher als Pasha und Patriarch.
00:16:52: Und er ist einfach aus lauter Bequemlichkeit vom Bett gelegen und hat seiner Frau zurgekommen, versorgen sie nicht zu schweigen.
00:16:59: Sie wollte das nicht machen, dass ich ihm nach Hause geschlagen habe.
00:17:03: Das hat man gesehen in dieser kurzen Videosequenz...
00:17:08: Also muss ich mir das vorstellen.
00:17:09: alle auf dem Bett?
00:17:11: Genau!
00:17:12: Zuerst bist du am Arsch abziehen, wir sahen nicht alles.
00:17:15: Wir sahen nur die Beine.
00:17:18: und auch gehört, wie er das eingefordert hat.
00:17:20: Und wie sie es dann erfüllt.
00:17:23: Die beiden haben zwar albanisch gesprochen, aber das Gericht ließ das übersetzen lassen und gab den Ton dazu auf die Deutschen wieder.
00:17:33: Er sagte nicht so schweig oder blöd sie mich an.
00:17:37: Sie sagt, ich mache das nicht.
00:17:39: Du hast mich gestern geschlagen.
00:17:41: Ich ziehe dich nicht mehr nahe.
00:17:43: Was soll das?
00:17:44: Er schlägt sich mit dem Küsse.
00:17:46: und dann zieht sie ihn doch an.
00:17:49: Und das Wichtige an dieser kurzen komischen Sequenz ist, dass er immer gesagt hat, niemand werde ihren Glauben.
00:17:59: Sie können hier erzählen, was sie in der Wohnung erlebt haben.
00:18:01: Das werde ich ihr so oder so niemand glauben.
00:18:03: Darum fand sich jetzt nämlich dieses Mal auf.
00:18:06: Es ist ihr so eingefahren ... Die Behauptung des Mannes, dass ihr niemand glaubt.
00:18:12: Dann nahm es auf den Gericht oder der Strafverfolger zur Verfügung gestellt.
00:18:17: Und natürlich, das wissen alle, die sich damit befassen.
00:18:20: Natürlich hat sie gewusst, warum sie das aufnimmt und sie hat wahrscheinlich geahnt, dass sie das mal einreichen wird.
00:18:28: Die Verteidigung hat gesagt, es sei völlig inszeniert und hätte kein beweiswertes Video.
00:18:33: Aber ich meine, Aussagen und Bilder sind eindeutig!
00:18:36: Das kann niemand wegdiskutieren, dass es diese Szene gegeben hat Und das wurde vom Gericht auch so anerkannt.
00:18:44: Die Staatsanwaltschaft hat Ihre ja zumindest geglaubt, hat den Mann angeklagt.
00:18:50: Wegen was alles?
00:18:51: Wegen der Freiheitsberaubung in erster Linie und zwar ist die Staatsanwalt von erschwerenden Umständen ausgegangen.
00:19:00: Das gibt einen höheren Straf bis sie gesagt haben, dass die Freiheits- beraubing mehr als zehn Tage dauerte.
00:19:07: Die Staatsanwaltschaft geht eigentlich von sechs Jahren aus, wo die Frau faktisch die Wohnung nicht alleine verlassen hätte.
00:19:16: Dazu kommen weitere Darbestände wie mehrfache Nötigung und mehrfachige Tätigkeiten.
00:19:23: Das fordert die Staatsanwältschaft für eine Strafe?
00:19:26: Ein härtes Straf, der junge Mann ist erstätig.
00:19:29: Er ist von einer neuen Strafe rechtlich aufgefallen und die Staatsanwaltschaft verlangt achtzehn Monate Bedingung – also eine Freiheitsstrafe von achtzehm Monaten Bedingungen, wo er nicht absitzen muss mit einer Probezeit, bei der er aber das Damokles schwer hat, wenn etwas passiert, dass es dann doch noch ins Gefängnis muss.
00:19:47: Es kam ein Burst zu von fünf tausend Franken.
00:19:51: Und ich fand es sehr interessant, dass die Staatsansprache fordert.
00:19:55: dass der Mann an einem Lernprogramm teilnimmt, dass er einfach künftig nicht mehr gewalttätig wird.
00:20:03: Über das wird sie schnell reden?
00:20:04: Das Lern-Programm habe ich nicht gekannt vorhanden.
00:20:08: Was ist das?
00:20:09: Das ist ein Probatsmittel vom Strafvollzug.
00:20:14: Das wird auch innerhalb des Gefängnis angewendet.
00:20:18: Wir haben ... schon oft erlebt.
00:20:21: Oder auch, wo man Luca Russo z.B.
00:20:24: besucht hat in der Bös-Schweisse ... Das ist eine
00:20:26: früheren Folge des dritten Quarks?
00:20:28: Genau,
00:20:28: sie war vor einem Programm.
00:20:29: Die Idee ist simpel und ich finde absolut nachvollziehbar.
00:20:33: Dass man zu Erkenntnissen kommt, es reicht nicht einfach, dass man die Leute bestraft, sondern man will ja auch, dass sich das bessert und dass in Zukunft nicht mehr passiert.
00:20:43: Sie müssen lernen mit problematischen Verhaltensweisen umzulegen.
00:20:49: für Schnellfahrer.
00:20:51: Sie lernte oft, dass sie sich im Auto anständig benimmt und sich regelt.
00:20:55: Aber das gilt natürlich auch für Gewalttäter.
00:20:59: Dass sie weit lehren mit Gefühlen oder über Forderungen anders umzugehen.
00:21:05: Dass andere Menschen das respektieren.
00:21:08: Dass die Grenze kennenlernen.
00:21:10: Die Staatsanwaltschaft fand, den jungen Mann kann es offensichtlich brauchen.
00:21:14: Man will nicht, dass dies nochmals passiert.
00:21:17: Dann solltet ihr das Lernprogramm gehen?
00:21:19: Das Lern-Programm mit dem Namen Partnerschaft ohne Gewalt.
00:21:23: Genau, das klingt doch sehr einleuchtend!
00:21:27: Das Gericht hat der Mann gefragt, ob er bereit sei, um einen Lernprogramm zu teilzunehmen und er hat Kategorie Schnee gesagt im Gerichtshaal.
00:21:36: Und was vielleicht auch noch ein interessantes Detail ist ... Der Mann musste sich zum Zeitpunkt eines Beziehungsgerichts Horge verantworten.
00:21:44: bereits in einer neuen Bezieh gelebt.
00:21:46: Und seine damalige Freundin hat draussen gewartet, die ist komischerweise nicht in den Saal reingekommen.
00:21:53: und für diese Verteidigerinnen konnte er nicht noch die neue Freundin befragen, weil sie zeigt, dass das alles nicht stimmt und es läuft alles Bestens.
00:22:00: Das hat das Gerichten spontan bewildert als hätte die neue Frau in den Zaal geholt.
00:22:07: Sie sagte tatsächlich ... Wir wohnen nicht zusammen in einer anderen Wohnung.
00:22:11: Wir wöhnen nicht mehr bei den Elternn von ihm und er ist super lieb, ruhig, nett und überhaupt nicht gewalttätig.
00:22:18: alles Beste.
00:22:19: Das soll wir unterstreichen, was der Mann sagt, dass das alles nicht die Stimme, was die Ex-Frau ihm vorwirft und ein ganz anderer Typ ist.
00:22:30: Bei einem Versuch war es zu zeigen ... Es wäre
00:22:36: nicht stimmt, dass der Programm nicht nötig wäre.
00:22:39: Er ist gefragt worden aber es wäre nicht freiwillig.
00:22:41: oder verstehe ich das richtig?
00:22:42: Das kann das Gericht ordnen und dann muss er.
00:22:45: Das ist ganz wichtig.
00:22:46: ja, das ist Teil des Urteils, so ein Lernprogramm.
00:22:49: Und ich weiss, dass das häufig, das wird automatisiert im Recht, das häufig die Idee ist... ...das ist Teil vielleicht vom Lernprozess, dass man merkt, die Programme teilnehmen, dass man es nötig hat.
00:23:03: Es ist gar nicht ungewöhnlich, dass Leute sagen, ich brauche das nicht, ich will das nicht und bringt nichts.
00:23:09: Aber es kann wie ein erster Schritt für eine Verbesserung sein, dass du dich halt gegen deinen Willen dazu zwingen lassen oder überreden lassen, mal in so einem Programm zu sitzen.
00:23:20: Das kann wirklich schon Teil der Verbesserungen
00:23:23: sein.
00:23:23: Wie hätte ein Gericht in Hagen gut gehalten?
00:23:28: Das Gericht in Hagen ist im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft gefolgt.
00:23:32: Es hat tatsächlich die achtzehn Monate bedingt ausgesprochen, Schulzspruch wegen allen Trüdern liegt, Freiheitsberaubung mit erschwerenden Umständen mehrfach in Nötigung, mehrfache Tätigkeit und es hat – obwohl der Mann gesagt hat, dass er das nicht absolvieren will – ein Lernprogramm ins Urteil eingeschrieben
00:23:53: hätte.
00:23:54: Das muss man machen!
00:23:56: Und so ... Endet die Texte, die du für die Republik geschrieben hast.
00:23:59: Wir können es sich an dieser Stelle noch einmal sagen.
00:24:01: Die Fälle, die wir besprechen, basieren in der Regel immer auf Texte.
00:24:05: Du schreibst für so eine Magazin Republik und verlinkt ihr auch in der Episodenbeschreibung.
00:24:11: Das ist aber ein Update an dieser Stelle.
00:24:13: Sie bleibt nicht bei diesem Urteil?
00:24:14: Nein, das ist nicht ganz überraschtend.
00:24:16: Wie den Mann hat einen vollumfänglichen Freispuch gefordert und weiss gar nicht, ob er kommt ... Der Mann hat den Entscheid aus Horge weitergezogen an die nächste Instanz.
00:24:27: Das ist Obergericht im Kanton Zürich, das befasste sich im September, dass es wieder eine öffentliche Verhandlung gab.
00:24:36: An dieser habe ich nicht teilgenommen aber ich habe im Nachhinein das Urteil gelesen und das kam doch recht anders raus als das Urteil in Horge.
00:24:45: Aber das kann ich jetzt schon sagen ein vollumfänglicher Freispruch hat es nicht gegeben.
00:24:49: Sondern was hat das Obergerichts entschieden?
00:24:52: Das Obergericht hat eigentlich alle drei hier bestätigt, auch Schuldsbrüche ausgesprochen.
00:24:59: Es sagt aber – und das ist wichtig – es sei keine Freiheitsbeerabung unter erschwerender Umstände gewesen.
00:25:07: Das Obergriech findet anders als noch das Bezirksgericht Horge, dass die Frau doch immer wieder Gelegenheit hatte, rauszugehen.
00:25:16: dass Fotografien belegen, dass sie auch mal draussen waren.
00:25:20: Fast ein Partys mit Frauen.
00:25:22: Sie hat auf das damals reagiert und sagte ja, es stimmt schon, aber sie gab immer als männliches Mitglied der Familie dabei.
00:25:30: Das tut aber obengerichtet doch anderswürdig und sagt man geht nicht davon aus, dass er sechs Jahre lang wirklich derart unter Druck war und die Wohnung nicht verlassen durfte.
00:25:41: Darum bleibt zwar ... bei der Freiheitsberaubung, aber nicht unter erschwerenden Umständen.
00:25:47: Sobergericht sagt es hat in den letzten Phasen tatsächlich so viel atroig gegeben, dass sie die Wohnung verlassen konnte und das nicht mehr gewagte.
00:25:57: Aber die Strafe wird gesenkt wie die erschwerende Umstände wegfällt.
00:26:02: Darum sind aus diesen achtzehn Monaten die Freiheitsstrafbedingten zehn geworden.
00:26:08: Und was ich auch noch wichtig fand und ein bisschen erstaunlich auch ... Vom Lernprogramm hat jetzt Oberkriecht nichts mehr wissen wollen.
00:26:15: Das haben wir gefunden, dass es nicht nötig ist, dass er das in den Urteil schreibt.
00:26:20: Ich glaube, das Oberkirch hat recht stark gewürdigt, dass Maya inzwischen in einer neuen Bezieh gelebt, dass die funktioniert und dass es dort nicht mehr zu Gewalt kommt.
00:26:31: Die Richterinnen und Richter sind davon ausgegangen, dass sie ihre Lektion gelernt hat durch dieses Verfahren, das jetzt nicht mehr vorzukommen sollte.
00:26:39: Und
00:26:40: das hoffe ich auch!
00:26:41: dass auch die Uni-Lernprogramme zu einer Veränderung finden.
00:26:45: Und dass seine Ex-Frau auch einen guten Neustart gelingt.
00:26:49: Weisst du eigentlich, wie es mit ihrer Brigitte weitergegangen
00:26:51: ist?
00:26:51: Ich habe am Rand des Prozessforben bzw.
00:26:56: Horge erfahren, dass sie von dem Moment an, wo sie endlich aus dieser Wohnung rauskann und aus der Familie geklärt hat, innerhalb von kürzester Zeit Deutsch gelernt hat und auch sehr schnell eine Stelle gefunden hat.
00:27:12: Es hat wirklich den Eindruck gemacht, dass sie mir vorkommt bei einem Auftrag von Gericht, dass sich wahnsinnig schnell Fuss gefasst hat in der Schweiz und dass sie heute mit beiden Füßen auf dem Boden steht.
00:27:25: Schöne!
00:27:26: Danke vielmals, dass du uns von diesem Fall erzählt hast, Brigitte.
00:27:29: Das war die drittige Wahl des Justizpodcasts der Republik.
00:27:33: Wir freuen uns immer über Rückmeldungen.
00:27:35: Sind er reichbar, wie auch Sprachnachricht?
00:27:37: An der Null-Ninne-Siebitzg-Fünfhundert-Sieben-Sechzig-Nünnenfünfzig.
00:27:41: Die Nummern stehen hier im Episode beschrieben.
00:27:43: Mein Name ist Buassou und ich freue mich, dass wir uns wieder hören.
00:27:46: Bis zum nächsten Mal!
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